Wegen meiner unglaublichen Kombinationsgabe in Tateinheit mit der Nachlässigkeit des Angetrauten hatte ich mich ja bereits um die Überraschung für mein Weihnachtsgeschenk gebracht.
Heute nun wollten wir gemeinsam einkaufen, aber weil bei der Bank kein Parkplatz war, hüpfte ich schnell aus dem Auto, während er noch eine Runde drehte. Am Monatsersten herrscht dort natürlich Andrang und ich musste ewig anstehen in dem Automatenkabuff mit seinem Geldbeutel samt Scheckkarte in der Hand. Der Gute kann sich nichts merken, alles schreibt er auf kleine Zettelchen, die er dann offen außen an seinen Geldbeutel heftet. Bis fünf Leute ihre Geschäfte am Automaten erledigt haben, dauert das und ich blätterte inzwischen gelangweilt in den Zetteln. „Coffeefee: Su. anrufen, wg. Name Kette“ stand da blau auf weiß und sofort erinnerte ich mich daran, dass Su. sich in der letzten Woche in einem Gespräch beiläufig erkundigte, wie denn schnell nochmal diese Ketten hießen, von denen ich im Urlaub so geschwärmt hatte. Klickklackklickklack. Ich kann nichts dafür! Jetzt habe ich mir auch die Überraschung für meinen Geburtstag versaut und wieder werde ich alle Schauspielkünste aufwenden, um die Überraschte zu geben.
Vielleicht sollte ich beim BND anheuern oder beim Mossad, wenn der besser bezahlt. Bestimmt hätte ich eine aufregende und erfolgreiche Agentenkarriere vor mir und ich würde genauso berühmt wie Günter Guillaume oder Mata Hari.
Ich bin auch diesmal vollkommen unschuldig und werde den Teufel tun und ihn um die Freude zu bringen mir eine unerwartete Freude zu machen, auch wenn ich wieder hin- und hergerissen bin, ob ich nicht vielleicht doch ehrlich sein soll. Aber was würde es ändern? Seine Enttäuschung, wenn er um meine Kenntnis wüsste, wäre riesengroß und würde nur bewirken, dass er sich beschissen fühlt, weil er nicht besser aufgepasst hat und ich mich beschissen fühle, weil er sich wegen meiner Eitel- und Schwatzhaftigkeit beschissen fühlt!
Was soll’s! Ich halte dicht. Auf die Kette freue ich mich schließlich trotzdem!