Do it yourself!
In der Regel wache ich auf und denke erstmal gar nichts. Danach überlege ich, welcher Tag heute ist, was auf der to-do-Liste steht und ob ich mich nochmal umdrehen kann, ohne in Zeitverzug zu geraten. Das letzte, woran ich kurz nach dem Aufwachen denke, ist Sex. Ich weiß nicht, ob es anderen Frauen auch so geht, aber in aller Frühe verspüre ich auch in Baumwollbettwäsche nicht die Bohne von Wolllust.
Männer ticken da grundlegend anders. An 4 von 7 Tagen, so meine Erfahrung, schlagen sie die Augen auf und verschwenden weniger Gedanken an den kommenden Tag als sich die Frage zu stellen, wie sie ihrer Morgenlatte Herr werden könnten und wenden sich diesbezüglich zumeist zuerst an die/den Bettgenossin/-en.
Ich bin kein Fan von frühmorgendlichen Turnübungen, ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass ich ein schwerer Fall von Morgenmuffel bin und so bin ich auch nicht sonderlich amused, wenn von der anderen Seite des Bettes untrügliche Zeichen ausgehen, dass dort eine gewisse Paarungsbereitschaft vorhanden ist. Säuerlicher Atem, der sich während einer verschlafenen Nacht zwangsläufig gebildet hat, verleidet mir das Küssen und ein blowjob kommt vor einer gründlichen Reinigung der einschlägigen Partien ohnehin nicht in Betracht.
Manchmal rolle ich mich auf meiner Seite des Bettes zusammen und gebe anhaltenden Tiefschlaf vor, aber weil die Schlagfrequenz wegen recht unterschiedlicher Tag- und Nachtrhythmen ohnehin ganz gewiss unter der Norm auch der enthaltsamsten Völker der Erde liegen dürfte, gebe ich mir meist einen Ruck. Ich weiß, er braucht diese Befriedigung, um besser in den Tag zu kommen und so gebe ich ihm so kurz vor dem Aufstehen was er will: Schnellen, wortlosen, beiläufigen Sex, so selbstverständlich und eintrainiert wie der Griff zur Nachttischlampe oder das anschließende Zähneputzen.
Mir selbst bringt dieser, wie ich es nennen würde, „Gefälligkeitssex“ in den wenigsten Fällen Genuss. Ich bin kein Mann und kann mir diesen zwingenden Überdruck im Unterleib nicht vorstellen. Das hemmungslose zu-jeder-Zeit-an-jedem-Ort-Geficke, das auch ich eine kurze Zeit lang praktizierte, hat den Reiz verloren. Jetzt brauche ich Vorlauf, einen freien Kopf und ein entspanntes Surrounding, um in Fahrt zu kommen. Ein, zwei Gläser Wein erleichtern und beschleunigen das Erreichen der Startposition natürlich, aber ich kann ja schlecht schon vor Sonnenaufgang saufen.
Oft, wenn alle schon aus dem Haus sind, kuschle ich mich mit einem Kaffee wieder in mein Bett. Dann erst entsteht auch bei mir die Art von Lust, auf die ich eine Stunde vorher überhaupt keine Lust hatte. Und dass ich nun alleine bin, stört mich überhaupt nicht.
Während manche Männer offenbar ein Problem mit der Selbstverständlichkeit der Selbstbefriedigung haben (zumindest nicht, wenn sie dabei zusehen können), ist das für die allermeisten Frauen überhaupt nicht der Rede wert. Es ist keine Herabsetzung des Aktes an sich und beeinträchtigt die Qualität des Genusses in keinster Weise. Es ist auch keine Schwäche – es ist einfach ein Liebesdienst für sich selbst, so wie man sich ein Luxus-Schaumbad einlässt oder sich mit einem guten Buch für eine Stunde in ein stilles Eckchen zurückzieht. Es tut gut, sich selbst etwas Gutes zu tun. Und daran ist doch absolut nichts Schäbiges, oder?
August 19, 2008 um 12:44
ja das geht mir genau so. wenn ich nach dem Frühstöck wieder ins Bett gehe, ist alles plötzlich erotisch. Ich höre die gewohnten Geräusche von der Strasse und von den anderen Bewohnern des Hauses, Das bringt mich in eine entspannte Stimmung, die mich in Einklang mit mir selber bringt.
Ich gönne mir dann diese wünderschönen Minuten nur mit mir alleine.